Integrative Gestalttherapie

In der Gestalttherapie wird Wachstum als lebenslanger Prozess verstanden, bei dem Entwicklungsfähigkeit, Selbstverantwortlichkeit und Ganzheitlichkeit zentrale Aspekte darstellen. Im Mittelpunkt steht das Kontaktverhalten des Menschen zu sich und der Welt. Ist dieser Kontakt „gestört“, so entwickeln sich krankmachende Faktoren. Unerledigte Aufgaben/Angelegenheiten/ unabgeschlossene Problembereiche führen dann leicht zu Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, psychosomatischen Störungen (Magen, Darm, Kopfschmerzen, Rücken-Gelenkschmerzen usw).

Der Organismus ist permanent damit beschäftigt, Unangenehmens, Hinderliches aus- und abzustoßen, aufzufüllen, zu ergänzen, gerade dort wo ein Mangel herrscht. Wo das nicht gelingt, sind unfertige Zustände, unterdrückte Bedürfnisse das Ergebnis.

Diese Selbsthemmung reduziert den persönlichen vitalen Ausdruck, Ärger, Wut usw. richten sich gegen sich selber. Der Verlust des „Lebensrythmus“ ist eine häufige Folge, das „Ein-und-Ausatmen“ geschieht unrythmisch,  letztendlich ist das Gleichgewicht zwischen Ich und der Welt sensibel gestört. Die Regulierung zwischen Nähe/Distanz, Ja/Nein findet nicht mehr im notwendigen Maße statt. Eine häufige Folge davon ist, daß die Lebensenergie unterdrückt wird. Der Nährboden für die Ausweitung von Problembereichen oder das Entstehen dieser ist gegeben. Der Organismus und die Psyche entwickeln eine krankmachende Eigendynamik. Ziel im Sinne einer Heilung des krankmachenden Zustandes findet im Hier-und-Jetzt statt. Und nur dort!

Die Vergangenheit ist wichtiger Bestandteil des Verstehens, der Reflektion über sich selbst, aber dies reicht nicht aus, Probleme im Hier-und-Jetzt zu lösen.

 

Historie

Gestalttherapie ist ein phänomenologisches, erfahrungs- und erlebnisorientiertes psychotherapeutisches Verfahren, das der Familie der humanistischen Psychotherapie angehört. Das Ziel der Gestalttherapie ist die Stimmigkeit, Integration und die differenzierende Reifung nach innen und aussen.  Die Gestalttherapie wurde in den 30-er Jahren durch Fritz Perls, Laura Perls und Paul Goodman entwickelt. In den Kriegswirren von Berlin über Südafrika, die Niederlande und dann in den USA entwickelte sich die Gestalttherapie aus der Psychoanalyse deren Kritik und Abgrenzung heraus. Fritz Perls entwickelte den konfrontativen Westküstenstil und Laura Perls den weicheren integrativen Ostküstenstil. Ich bin eine Anhängerin von Laura Perls, die auch -nebenbei bemerkt- eine große Yoga Praktizierende war. Gestalttherapie wird  von niedergelassenen Therapeuten und vor allem in Kliniken eingesetzt und weiterentwickelt. 

 

Was bedeutet Gestalt?

Die Grundpfeiler der Gestalttherapie sind die Psychoanalyse, die Phänomenologie und die Gestaltpsychologie. Zentrale Begriffe sind

 Kontakt-Feld

Der Mensch ist eine untrennbare Einheit von Körper, Geist und Seele und wird darüberhinaus in der Gestalttherapie als eine „Ganzheit“ im Feld (Umfeld) verstanden. Der Organismus ist im Feld aktiv und weist somit eine Kontaktgrenze auf. Diese Grenze trennt und verbindet, dort fließt der Kontakt in den Möglichkeiten von Gewahrsein, Bewegung, Denken, Fühlen. Ist dieser Kontakt „gestört“, so kann der Organismus/Psyche nicht vollständig den Kontakt durchführen, es handelt sich um eine „unabgeschlossene Gestalt“.

 Gewahrsein-Achtsamkeit

Hier wird eine Verfeinerung der Gefühle, Empfindungen, Verhaltensweisen angestrebt. Das Prinzip ist das Hier-und-Jetzt, die gegenwärtige Situation zwischen Patient und Therapeut wird als entscheidender Ort der Veränderung verstanden. Methodisch geschieht die Förderung des Gewahrseins durch direkte Rückmeldung des Therapeuten, Übungen und gemeinsam entwickelte Experimente.

Dialog-Ich-Du-Beziehung

Dies wird auch das dialogische Prinzip in der Gestalttherapie genannt. Dabei dient die direkte und konkrete Arbeit an aktuellen Situationen als Basis für den Kontakt des Patienten zu sich selbst und der Welt (dem Umfeld). Ziel des dialogischen Prinzipes ist es, dass Kontaktstörungen überwunden werden und so die Selbstheilungskräfte des Patienten aktiviert werden. Auf dieser Grundlage können sich neue Einsichten, Erfahrungen und Verhaltensmöglichkeiten entwickeln. 

Die Ich-Du-Beziehung (nach Martin Buber)  geschieht dabei auf gleicher Augenhöhe zwischen Patient und Therapeut, bei der das ICH und das DU in seiner Einzigartikeit wertgeschätzt werden. Beide Haltungen, das ICH und das DU stehen im Wechselverhältnis zueinander. In der Therapiesituation kommt dabei eine besondere Begegnung zustande( i. S. Bubers), die ein hohes Maß an Authentizität und Wahrhaftigkeit erfordert. Das ist eine wesentliche Grundlage für den gestalttherapeutischen Prozess.